Senegal November 2011

Goethe-Institut Dakar
Ein Reisebericht von Gabriela Francik

Senegal November 2011

Goethe Institut Dakar, November 2011

Eine schwere süßlich heiße Luft begrüßt mich beim Aussteigen auf dem Flughafen Senghor in Dakar. Des Nachts finde ich mich also nach einigen bürokratischen Auscheckverzögerungen in die kleine Oase Pension Agora in Dakar ein.
Mein Aufenthalt in Dakar dient dem Zweck die graphische Technik Radierung den hiesigen Künstlern vorzustellen und eine gemeinsame Arbeitswoche mit 2 senegalesischen ( Kan Sy und Ngoor) und einem französischen Künstler (Jéronimo) zu verbringen. Es ist heiß – Staub liegt auf den Lippen und man traut seinen Augen kaum wie es hier auf den Straßen zugeht.

„Tabaski“ steht an – vergleichbar mit unserem Weihnachtsfest – jeder Mann muss eigens ein schönes, reines, weißes Schaf schlachten für seine Familie …mitunter mehrere, je nach Anzahl der Frauen. Überall werden Messer feilgeboten, unter Palmen, hinter Kisten sogar ins Taxi hinein bietet man Beile feil. Noch nie fühlte ich mich so deutsch und war ganz froh dass sich das Goethe Institut in unmittelbarer Nähe befand… es gab sogar Bratkartoffeln.
Nach ein paar Tagen traf dann die in Deutschland bestellte Tiefdruckpresse ein und ich konnte eine kleine Werkstatt improvisieren. Ich liebe es zwar zu improvisieren, aber das worum es sich hier beim improvisieren handelte
war selbst für mich ein wenig ungewöhnlich. Hätte ich einen Plan gehabt und die verwegene Vorstellung diesen auch noch zu verwirklichen, ich wäre gnadenlos verzweifelt.
So also kamen einige Künstler aus dem village des artistes ins Institut und fingen mit großer Euphorie an in Platten zu ritzen. Es war ein Vergnügen die Anfangsbegeisterung zu begleiten.

Ich selbst begann an einem Wörterbuch für Kinder zu arbeiten , deutsch-francais-wolof. Wolof ist neben der Amtssprache französisch die wichtigste Sprache im Senegal. Vielleicht entsteht mal ein kleines Buch daraus, immerhin gibt es diese Kombination noch nirgendwo. Das war zudem eine gute Gelegenheit mit den Menschen dort über ihre Sprache in Kontakt zu kommen.

Afrika – immer eine Spur von Sand und Wind in der seifigen Luft – das Meer in Reichweite - ein hoffnungsschwerer Kontinent – fremd. Inzwischen ist mein verspannter europäischer Körper durch die Hitze und die verzögerte Zeit angekommen, weicher geworden…
Wind bäumt sich und pfeift durch die Palmen – bedrohliche Stiche an Arm und Bein – Malaria bei jedem Jucken, das exotische Fieber in einer winzigen Mücke?
Ein Mann trägt sein Schaf über die Strasse – es will nicht zum Schafott – Schwimmbad – enorm - darin höchstens 4 Leute die sich mit Nasenklemmen am Rande entlanghangeln.
Fades Neonlicht in kahlen Räumen und Pakete und Bottiche auf gazellenartigen, stolzen, farbig bekleideten Frauengestalten – sie schwingen sich elegant durch die müllbeladenen Strassen. Vor den Häusern Männer auf den weltweitverteilten weißen Plastikstühlen – hockend, liegend, wartend.
Trotz großer Armut Stolz, Anmut und Schönheit – ein Wunder.

Dann eine Woche abtauchen im Radieratelier, gestampft aus dem Boden eines Pensionszimmers im zeitgenössischen Zentrum „Raw Material Company“ . Blaue Plastikfolie an allen Wänden – wie im Operationssaal machen wir uns an unsere Arbeit. Jeder in seiner Welt und doch auf kleinstem Raum zusammen. Das Säurebecken direkt neben dem Gebetsteppich auf dem Balkon.

Das bestellte Arbeitsmaterial aus Frankreich trifft verspätet ein – wie ein“ Westpaket“ Weihnachten und Ostern zusammen – bis dahin improvisiert – dann auf einmal scheint alles möglich. Nur an Zeit mangelt es für uns in dieser kurzen Arbeitswoche, auf einem Kontinent wo es nichts so viel zu geben scheint wie Zeit – reichlicher als irgendwo – ja gar endlos erscheint sie mir. Man hat das Gefühl von Ewigkeit, ewig schallt der Muezzin über die heißen Dächer, ewig scheint der Himmel blau, die Hitze groß und die Hoffnung schwer.
Es war eine wunderbare Erfahrung und eine sehr schöne Arbeitswoche zu viert. Am Ende gab es eine Ausstellung und Hoffnung auf ein nächstes mal.

Gabriela Francik, 2012