Einladungskarte

non essentials

Darmstadt-Leipzig-Braunschweig

Drei-Städte-Wanderausstellung

22.09. - 29.09.06
Darmstadt, Große Orangerie

13.10. - 15.11.06
Leipzig, Projektgalerie VORORTOST

1.03. - 1.04.07
Braunschweig, Torhaus-Galerie

non essentials in Leipzig

Was ist wichtig?

"Non-Essentials": Dreistädte-Treffen zeitgenössischer Kunst in der Galerie Vorortost

Sie sind trotzig und das ist gut so. Unter dem Titel "Non-Essentials" stellt die Galerie Vorortost Kunst vor, die um den Platz als "Essential", als "lebensnotwendiges Gut" streitet. Der Bund Bildender Künstler Darmstadt hat Kollegen in Braunschweig und Leipzig dazu eingeladen. Geld regiert die Welt: Dass zeitgenössische Kunst höchste Preise erzielt, täuscht oft darüber hinweg, dass sie außerhalb des eitlen Betriebes keine Rolle spielt und dass sie darinnen oft genug nur den Status des Besitzers beweist. Kunst bleibt das trotzdem, wer wollte als Künstler dagegen aufbegehren? Umgekehrt gilt das psychologische Gesetz: Wer keinen Preis bekommt, fühlt sich genötigt, seinen Wert zu behaupten. Und das machen sie nun. Was ist wichtig? Wo sind die Werte? Die Braunschweigerin Manuela Karin Knaut hat einen Schrank voller Bücher gestopft. Sie sind mit weißer Farbe anonymisiert. Im Titel des Objekts suggerieren Städtenamen biographische Stationen. Heimat, sprach Erasmus, ist da, wo meine Bibliothek ist. Als "Landvermessung" bezeichnet die Darmstädterin Renate Kletzka ihre linear impressiven, durchlässigen Strukturen. Die numerische, geometrische, jedenfalls rationale Analyse, die der Titel behauptet, wird vom poetischen Gespinst konterkariert. Das Poetische also wäre ein "Essential" der Kunst? Dunkle, ins Schwarz tauchende, urbane Räume erfindet die Leipzigerin Karin Pietschmann. Ihre großformatigen Radierungen reduzieren die räumliche Szene in wuchtigen Gegensätzen und in feinsten Übergängen zwischen Licht und Dunkel. Das Wesentliche wird gesucht, das "Essential" sollte wohl an sich schon ein Charakteristikum der Kunst sein. Von dem Dreistädte-Treffen der Künstlerbünde mit 31 Beiträgen auf etwaige besondere regionale Gesinnungen zu schließen, wäre riskant. Die Ausstellung bestätigt zumindest die höhere zeichnerische Gesinnung in Leipzig. Mehrere Künstler beantworten die Frage nach dem Unverzichtbaren mit dem Hinweis auf die eigenen Arbeitsprinzipien. Essentiell ist an der Kunst das, was sie zu Kunst macht. Darüber hinaus ist sie Luxus. Wer sie nicht erlebt, lebt ärmer, muss jedoch nicht unglücklich sein. Brauchte der Alm-Öhi Kunst? Vermutlich hatte er ein Kruzifix. Aber schnell wird Kunst wichtig: Herz/Schmerz noch des trivialsten Schlagers gibt Trost bei diesbezüglicher Not. Etwas schwerer als der Ohrenschmalz hat es die bildende Kunst. Vielleicht hat die Darmstädterin Juliana Jäger die meisten Facetten davon berührt, warum Kunst wesentlich sein kann und mit welchen Mitteln sie arbeitet. Jägers Assemblage "Das Lied der Büglerinnen" führt sieben benutzte Bügelbretter nebeneinander. Sie sind klein, nur reichlich handbreit und jeweils mit weißen Stecknadeln als Perlenkettchen oben und unten, an Hals und Hand, "weiblich" verziert. Titel: Das Lied der Büglerinnen. Reales Leben schwingt da, Großmütter, Gerüche von Äpfeln in der Ofenröhre. Alte Bilder von ehrbarer Mühe und stiller Konzentration, von kurzsichtigen Stickerinnen, auch von Degas und Picasso. Die Armut der Formen hat Anmut und strahlt die sinnliche Poesie aus, die oft in vernutzten, verbrauchten Dingen steckt. Auf Kunstfertigkeit wird angespielt, auf die Deklassierung der Frauen. Nichts anderes ist die Kunst – schlecht belohnte Produktion von Schönheit sogar dort, wo sie kaum zu wünschen war.

Meinhard Michael
LVZ vom 11./12.11.2006

Ausgewählte Arbeiten


Huguette Fourny, Warten II, 2006, Collage, Mischtechnik auf Leinwand


Renate Gallasch, o. T., 2006, Tempera auf Leinen


Juliana Jaeger, Das Lied der Büglerinnen, 2006, Assemblagen


Manuela Karin Knaut, Frankfurt – Gießen - Braunschweig, 2006, Objekt


Eberhard Malwitz, Blackboard, 2006, Mischtechnik auf grundiertem Karton


Petra Natascha Mehler, Possivel x mente, 2006, Siebdruckemail auf Stahl


Jürgen Neumann, Glück gehabt, 2004, Pappelholz


Akos Novaky, Spes, 2005, Farbholzschnitt auf Japanpapier


Thea Pini, Klänge, 2003, Eitempera


Hael Yxxs, Zeit läuft, 2006, kinetisches Objekt


Akos NovakyWalter Zimbrich, Sanduhren, 1996-2006, Objekte


Paul Zimmermann, Zeichen, 1998, Ölkreide

Bilder der Ausstellungseröffnung

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