Einladungskarte

SCHRITT ZU DRITT

Wolfram Ebersbach, Markus Krüger, Sabine Land
Malerei und Skulptur

13.11. – 08.12.09

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SCHRITT ZU DRITT

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[...] Im Eingangsraum trifft der Besucher auf das Gemälde „Schwarzer Lichthof“ von Wolfram Ebersbach und erkennt vermutlich den porträtierten Ort. Der Maler hat den Lichthof seiner Wirkungsstätte, der Hochschule für Grafik und Buchkunst in ungewöhnlicher Perspektive dargestellt. Er sagt selber, das dies so etwas wie sein Abschiedsbild sei, denn nach über dreißig Jahren der Lehrtätigkeit, wurde er 2008 in den für einen Künstler so unwahren Ruhestand verabschiedet. Allein die Bilder dieser Ausstellung zeigen, dass der Ruhestand ein aktiver Stand ist, der dem nunmehr wirklich freischaffenden Maler ebenso Bilder abverlangt, wie die Jahre zuvor. Allerdings ändert sich die Malhaltung von Wolfram Ebersbach anscheinend noch einmal. Nicht, dass er sein Thema verloren oder abgearbeitet hätte. Nach wie vor ist er mit der Wahrnehmung urbaner Räume beschäftigt. Hauptsächlich jener seiner Stadt Leipzig. Dies sind Brücken, Höfe, der Bahnhof, markante Gebäude wie das Museum der bildenden Künste, Passagen. Und auch seine Farbpalette blieb gleich bestückt. Nach wie vor malt er – und da leihe ich mir ein Zitat von Ulrich von Döltzschen - in vielen Farben, und jede ist Schwarz. Dies wirkt so intensiv und auch farbig, weil das Neben- oder Gegeneinander von Schwarz und Weiß so sicher und bestimmend gesetzt ist und damit das Spiel von Licht und Schatten oder Hell und Dunkel die Architekturen so lebendig macht. An Veränderung sichtbar ist eine neue Strenge in den Bildern. Die Konturen und Formen scheinen gefestigter und der expressive Schwung des dicken Pinsels ein wenig gezüchtigt. Der Lichthof saugt den Blick magisch in die Tiefe, die Perspektive ist gekonnt vom Meister konstruiert und umgesetzt. Das Bild vom Hauptbahnhof verweist auf ein neues Detail, welches Wolfram Ebersbach zunehmend für sich entdeckt. Lichtleisten, Öffnungen in denen Helligkeit auftritt, zeigt er neben den schweren großen Schwüngen, in denen er die Architektur definiert und nach wie vor mit Energie sowie Tempo anreichert. Auch die anderen Werke der Schau zeigen, dass der Maler immer wieder neue Situationen in der Stadt entdeckt, die ihn reizen, sie in typischer, vereinfachter Form, quasi zeichenhaft wiederzugeben, sind es nun die Innenhöfe der Jägerpassage oder die Treppen im Kaufhaus. Allerdings treten jetzt neben den großen Szenerien, die kleinen Ausschnitte hinzu. Wolfram Ebersbach schaut nun auch in kleinere Winkel und Ecken. So bleiben wir sehr gespannt, mit welchen weiteren Bildern der Maler uns mit ihm die Stadt entdecken lehrt.

Sabine Land, 1985 in Finsterwalde geboren, studiert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Malerei in der Fachklasse von Frau Professorin Annette Schröter. Im nächsten Jahr wird sie ihr Diplom ablegen. Ihr Thema ist das Leben selber. Ihre Gefühle und Gedanken, die sie – wie sie es selber schildert – überbordend in sich trägt. Sabine Land empfindet die einzelnen Blätter, die Filzstift- und Kugelschreiber-Zeichnungen, die in lebendiger und interessanter Weise arrangiert sind, wie alle zu einem großen Buch gehörend, welches aber nicht zusammengeschnürt ist und wird. Letztlich klammert sie daraus auch nicht die großen Bilder oder Installationen aus. Sie macht für sich keinen Unterschied in Bezug auf die Wertigkeit der Arbeiten, hergeleitet aus einer Materialität. Das, was emotional und gedanklich in ihr brodelt und gestaltet werden muss, setzt sie mit dem um, was bereit steht. Papier und Stifte sind stets parat. Auch für die parallel zu den Zeichnungen ständig entstehen unzähligen Zeilen und Texten. Daneben finden Holzplatten, Stoffe, Leisten, alte verlassene Figürchen wie das Metallpferd und eben das, was die Künstlerin so als nutzbares Material umgibt, Eingang in ein Kunstwerk. Sabine Land schafft ihre Arbeiten Schicht um Schicht. Worte und damit gedanklich formulierte Momente werden eingeschrieben, dann doch überdeckt, übermalt, überzeichnet, um dann vielleicht an anderer Stelle wieder hervorzubrechen. Farbschichten kommen Mal um Mal übereinander. Formen und Figurationen bewegen und quellen aus den Bildern hervor, machen sie räumlich, lassen sie näher an uns herantreten. Menschenbilder interessieren Sabine Land nicht von außen, es sind die Innerlichkeiten, die Eindringlichkeiten, die ihr unter der Haut und unter den Nägeln brennen. Ihr Kopfuniversum, wie sie es nennt, ihre Gefühle und Gedanken, greifen aus den Werken an, können den Betrachter mitnehmen und Fragen stellen lassen.

Der dritte im Bunde, Markus Krüger studiert ebenfalls an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Fachklasse von Annette Schröter. Auch er wird 2010 sein Diplom ablegen. Zum Thema ist dem Maler die Landschaft gereift. Aber in was für einer Wahrnehmung! Sachlich realistisch, mitunter mit sehr kleinem Pinsel gemalt, schildert er meist merkwürdige Situationen. Das macht den hohen Reiz der Werke aus und charakterisiert sie: zum einen die feine, sichere Malweise, die stimmigen Perspektiven, die realen Formen und Schilderungen. Zum anderen, das dann, wenn der Betrachter sich irgendwie auf vertrautem oder sicherem Terrain wähnt, der Bruch, die Irritation hinzutritt. Wie in dem Gemälde „Winterdrama“. Die sachliche Architektur, die Wohnbauten, die in jeder modernen Randbebauung einer Großstadt zu finden sind und der Ort so also anonym bleibt, werden von einer gewaltigen mächtigen Feuerwalze bedroht. Sie kommt aus dem Hintergrund und hängt noch im Himmel. So schön und so gefährlich. UND woher kommt deren Gewalt? Das Rätsel ist nicht zu lösen. Es bleibt der Eindruck, wie schön ein Drama aussehen kann, wenn wir nicht riechen, nicht hören und die Hitze nicht spüren. Markus Krüger gelingen solche Bilder nicht zufällig. Er ist ein genauer Beobachter und einer, der sein Skizzenbuch nicht für den Fotoapparat getauscht hat. Er zeichnet unentwegt und prüft seine Motive und Bildfindungen immer wieder an der Realität. Die Stimmungen, die er schafft, sind von den Bildausschnitten, der Perspektivführung, den Helligkeiten und Dunkelheiten, den Aufteilungen der Räume in geschlossene oder tiefe Flächen geschuldet. Menschen und Tiere treten dabei nicht in den Blick, wohl sind sie aber trotzdem in den Szenarien - hinter den Fenstern der Gebäude, im Wald oder am Sumpf, in den Autos auf den Straßen spürbar. Die Bilder von Marcus Krüger sind in realistischer Manier ausgeführt, entwachsen der Realität – fotorealistisch sind sie hingegen kaum, denn sie bergen mehr als Draufsichten auf die Welt.
© Christine D. Hölzig

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