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Körper
Südtiroler Künstlerbund
17.10. – 08.11.08
2010
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- Die Siebenundsiebzigste
- Waltraud Leschke - Marianne Riedel
- Ereignis Druckgraphik 2
- KORRELATIONEN IX
- FIGUREN AUS METALL
2009
- WEIN 8
- SCHRITT ZU DRITT
- K_K_K
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- Konkrete Kunst
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- Ereignis Druckgraphik
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2008
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- Watzlawik + Nielsen-Marsh
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- Gedrucktes zur Leipziger Buchmesse
- Theo Hurter + Jürgen Raiber
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2007
- Weihnachtsausstellung
- Die Fünfzigste: AugenHaut
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2006
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- Korrelationen IV
- Neuaufnahmen 2
- Von Mainz nach Leipzig
- Matthias Klemm
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- Spuren Suchen
- Huniat_Möbius
- Korrelationen III
Das Projektarchiv wird noch überarbeitet und steht Ihnen demnächst wieder vollständig zur Verfügung!
Körper
Beteiligte Künstler
Josef Rainer
Christian Reisigl
Sylvie Riant
Hubert Scheibe
Alois Steger
Stefan Tschurtschenthaler
Elisabeth Weiss
Körper
Bozen Leipzig und Retour
Aus der Rede zur Ausstellungseröffnung am 17.10.2008
von Lisa Trockner
Die Ausstellung der Südtiroler in der Galerie VorOrtOst ist keine einheitliche Themenschau, sondern vielmehr ein spezifischer Blick auf die aktuelle Südtiroler Kunstszene.
Mit dieser Schau soll die Beziehung zwischen Innen- und Außenraum, Körperhaftem und Körperlosem in ein Spannungsfeld gesetzt werden. Die Arbeiten der beteiligten Künstlerinnen und Künstler lassen immer wieder das Produktionsland, den Nährboden aus dem diese Arbeiten gewachsen sind, erahnen. Manchmal geschieht dies sehr direkt und plakativ, ein anderes Mal subtil und unterschwellig.
So sind z.B. die Schwarzweißarbeiten von Lois Steger auf dem ersten Blick kaum als Landschaftsdarstellungen identifizierbar. Er benötigt einen Bleistift, ein Blatt Papier, sich selbst und ein gängiges öffentliches Verkehrsmittel, um Landschaftsvariablen sichtbar zu machen. Steger fährt mehrmals in der Woche mit dem Bus zur Arbeit. Während der Fahrt wird er selbst zum Seismographen, indem er das Rütteln seines Körpers, welches durch die Fahrt entsteht, über den Bleistift auf Papier überträgt. Diese unter besonderen Bedingungen entstandenen Linienwerke sind die verbildlichte und unmittelbare Dokumentation der landschaftlichen Begebenheiten einer bestimmten Fahrtstrecke. Nach der Aufzeichnung der Daten beginnt der Prozess der Auswertung indem er die Ergebnisse digital aufbereitet, sie am Computer maximiert und dann auf andere Medien wie zum Beispiel auf ein Textil oder Holz überträgt.
Wie eine Bestandsaufnahme aus der Vergangenheit wirkt die Kohlezeichnung von Hubert Scheibe. Sie zeigt einen Ausschnitt der Scheune hinter dem Haus am Reschen, in dem der Künstler seine
Kindertage verbracht hat und in der sich heute sein Atelier befindet. Während die Grafik auf den ersten Blick einfach nur gewaltig in ihren Dimensionen wirkt - sie erstreckt sich über eine Länge von 7 m und ca. 2,50 m Höhe –, lädt sie in einem zweiten Moment ein, genauer hinzusehen, dadurch soll die Zeichnung im Detail begreifbar werden.
Durch den aufgezwungenen geschärften Blick für das Einzelne und die Akribie des Dargestellten wird beim Betrachten ein beinahe lebensgroßer Ausschnitt auf ein typisches Südtiroler Bauernhaus eröffnet. Diese realistische Darstellung vermag es, gepaart mit dem fokussierten Blick des Künstlers, nicht nur einen Wirklichkeitsausschnitt sichtbar zu machen, sondern gleichzeitig einen Moment festzuhalten, der eine bewusstere Wahrnehmung - als es ein flüchtiger Augenblick der Jetztzeit erlauben würde - zu gewähren. Hubert Scheibe, der aus der Malerei kommt und häufig persönliche Emotionen thematisiert, zeigt in diesen neuen Arbeiten nicht den Blick von Innen nach Außen, sondern umgekehrt den unverfälschten und ehrlichen Blick auf sein gelebtes und alltägliches Umfeld.
Die Auseinandersetzung mit Raum und Zeit thematisiert auch die Künstlerin Elisabeth Weiss in ihren Arbeiten. Die hier gezeigten Fotos und die dazugehörige Installation tragen den Titel Orphelia. Die Figur der Orphelia hat über Jahrhunderte in der Geschichte die Stellung der femme fragil eingenommen und über Wahnsinn und Hysterie bis hin zur leidenschaftlichen Heldin die aufgeladenen Klischees erfüllt. Elisabeth Weiss bricht diese fragile Positionierung der Frauenrolle dadurch, dass sie das Körperhafte defragmentiert: Einzelne Rosen aus Kuchenformen - in minutiöser Handarbeit gefertigt - scheinen sich auf der Wasseroberfläche zu formieren und als Zeitzeugen bzw. als ein Relikt aus der Vergangenheit zu fungieren. In der Installation geht die Künstlerin noch einen Schritt weiter, indem sie die landschaftliche und somit die romantisierende Komponente eliminiert und durch ein industrielles Produkt, nämlich eine Eisenplatte ersetzt. Damit gelingt es Elisabeth Weiss, einen Bruch zwischen Raum und Zeit zu erzeugen und die Betrachterin und den Betrachter zurück in die Realität zu holen.
Mit Realitäten befasst sich auch Josef Rainer. Seine Protagonisten sind etwa 30 Zentimeter hohe Figuren aus Gips, die als Skulpturen in Rauminstallationen, Fotoarbeiten und Zeichnungen auftreten. In der hier gezeigten Arbeit beanspruchen zwei Figuren einen Fernseher als Liebesnest. Die Flimmerkiste wird also zur Liebeskiste. Auch wenn die Figuren von Josef Rainer statisch sind und der Künstler uns eigentlich eine eingefrorene Momentaufnahme darbietet, vermögen sie sich doch zu bewegen und zwar in unseren Köpfen. Wir sehen die Standbilder und sofort beginnen wir in Gedanken daraus eine Geschichte weiterzuspinnen.
Es ist ein Verschmelzen zweier Realitäten. Durch das Schaffen des Künstlers wird unsere selbstempfundene Realität der Wirklichkeit der Kunst gegenübergestellt. Diese Symbiose funktioniert allerdings nur durch die Interaktion und Toleranz der BesucherInnen: Ein Standbild wird zum inneren Film.
Ausgangspunkt die Arbeiten von Christian Reisigl ist das Bildmaterial von Zeitungs- und Werbefotos, die menschliche Körper zumeist ineinander verschlungen oder in sich gedreht und verwunden darstellen. Die aufgegriffenen Fotos werden vergrößert und dann auf Leinwand gedruckt. Diese Kopien werden dann malerisch verfremdet und in der Motivik reduziert. Inhaltlich geht es um die Ambivalenz der Darstellung von körperlicher Realität in ihrer Sinnlichkeit und Geschlossenheit einerseits und ihrer schimärischen und doppeldeutigen Disposition andererseits. Was motivisch eingefangen und präsentiert wird, entzieht sich gleichsam dieser Präsenz und wird uneindeutig und verborgen. Das Dargestellte ist ebenso in sich geschlossen wie es gleichzeitig offen ist.
Die aus Kohlestift auf Papier gezeichneten Porträts, das Foto und die Wachsarbeit mit dem Vogelpräparat von Sylvie Riant wirken auf den ersten Blick irritierend und beinahe entfremdend. Bei genauerem Hinsehen offenbart sich der intime Blick auf das geheimnisvolle Dahinter einer ästhetisierten Oberflächlichkeit. Es wird der Blick frei auf Geschichten, denen Sylvie Riant scheinbar Sichtbarkeit verleiht aber die keine eindeutigen Schlüsse zulassen: Die Grenzen zwischen Allgemeinem und Intimem, Leben und Tod, zwischen Vergänglichkeit und Mythos verschwimmen und eine Metaebene zwischen Erdachtem und Realem entsteht. Die Arbeiten sind wie statische Segmente eines metamorphosen Prozesses, der nicht abgeschlossen, sondern variabel ist. Die Künstlerin spricht von „frozen motions“, die im ständigen Voranschreiten und Wachstum die Fragilität unseres Lebens, das Temporäre widerspiegeln.
In oszillierenden Grün und Blautönen schimmern die Fotoarbeiten von Stefan Tschurtschenthaler den Betrachtenden entgegen und scheinen auf den ersten Blick ein fantastisches, undefinierbares Motiv fern von jeglicher Banalität zu sein. Umso mehr verblüfft es, dass die Suche nach dem ganz Gewöhnlichen den zentralen Inhalt seiner Arbeiten darstellt. Dem Fotografen geht es darum, Gegenstände und Dinge aus der Nähe zu betrachten, sie zu fokussieren und dann mit der Kamera festzuhalten. Die hier gezeigten Arbeiten, die Teil einer Serie sind, entpuppen sich beim zweiten Hinsehen als menschliche Pupillen umgeben von einer grünreflektierenden Iris. Der vom Künstler gewählte Ausschnitt des Auges variiert von Bild zu Bild und evoziert so eine lebendige Komposition an Wechselwirkung zwischen den Blick auf das Bild von Außen und den Blick aus dem Bild heraus in den Raum.