- AKTUELL
- -
- VEREIN
- -
- GALERIE
- -
- PROJEKTE
- -
- KÜNSTLER
- -
- FÖRDERVEREIN
- -
- MITGLIEDERINFO
- -
- KONTAKT


KORRELATIONEN VIII
Malerei, Zeichnung & Druckgrafik
13.02. – 07.03.09
2010
- Neuaufnahmen 4
- Die Siebenundsiebzigste
- Waltraud Leschke - Marianne Riedel
- Ereignis Druckgraphik 2
- KORRELATIONEN IX
- FIGUREN AUS METALL
2009
- WEIN 8
- SCHRITT ZU DRITT
- K_K_K
- Frank Ruddigkeit, Spuren 2
- Konkrete Kunst
- Tischleindeckdich_Idyllen
- Johannes Burkhardt
- Ereignis Druckgraphik
- Korrelationen VIII
- Lebensformen - Haltestelle
2008
- Weihnachtsausstellung
- Gaze
- Körper
- Im Duett
- Neuaufnahmen 3
- Watzlawik + Nielsen-Marsh
- Korrelationen VII
- Arbeiten
- Gedrucktes zur Leipziger Buchmesse
- Theo Hurter + Jürgen Raiber
- Transparenz
2007
- Weihnachtsausstellung
- Die Fünfzigste: AugenHaut
- PHI 1,6180339887...
- Zeitgleich-Zeitzeichen
- Günter Horlbeck - Blühendes Auge
- Korrelationen VI
- Akos Novaky
- Strege + Strege
- Korrelationen V
- Hochdruck
- Nicht von diesem Ort
- Stipendiatinnen
2006
- La Metta
- Lichtbilder
- non essentials
- Leiber.Verdrahtet
- Korrelationen IV
- Neuaufnahmen 2
- Von Mainz nach Leipzig
- Matthias Klemm
- Tafelfreuden
- Spuren Suchen
- Huniat_Möbius
- Korrelationen III
Das Projektarchiv wird noch überarbeitet und steht Ihnen demnächst wieder vollständig zur Verfügung!
Korrelationen VIII
Beteiligte Künstler
Gerald Müller-Simon
Harald Alff
Rainer Behrends
Einführung zu der Ausstellung KORRELATIONEN VIII: Harald Alff / Gerald Müller-Simon am 13.2.2009 in der Galerie VORORTOST des BBK Leipzig
Die Ausstellungsserie, deren 8. Folge heute eröffnet wird, trägt den Titel „Korrelationen“, was als „wechselseitige Beziehungen“ zu übersetzen ist oder anders formuliert als „Aufeinanderbezogensein“, als eine Einladung zum Abfragen bildnerischer Positionen, zum Nachsinnen über gestalterische Haltungen, auch zum Vergleich von Themen und Motiven und nicht zuletzt von bildkünstlerischen Ausdrucksmöglichkeiten, von „Handschriften“. Wechselseitigkeit setzt Vergleichsmöglichkeiten voraus. Solche sind klar gegeben. Beide Künstler beziehen sich in ihren Arbeiten auf den städtischen Lebensraum. Ihren Bildern liegt unsere alltägliche Umwelt zugrunde, die der historisch gewachsenen Strukturen einerseits mit ihren Straßen und Plätzen, den ornamental aufgeputzten Fassaden mit Fenstergewänden und Giebeln, dem reichen Stuckwerk , die verdecken, dass nicht eigentlich Baukunst uns vor Augen tritt, vielmehr Maurermeisterschöpfungen nach Musterkatalogen, deren nostalgischer Reiz uns heute vertraut anrührt und an eine „gute alte Zeit“ glauben lässt, ebenso die Hofsituationen der Geviertumbauungen mit ihren alten Bäumen, mitunter in Gartenparzellen aufgeteilt, den Hinterhöfen, auch den Straßenschluchten mit ihren grellen Lichtgegensätzen von strahlender Helle oben und tief dunklen Schatten unten, alles wohlvertraut und doch oftmals gar nicht wahrgenommen, weil zur Normalität des Lebens gehörig. Andererseits die Nüchternheit aktueller Bauten, deren Gestalt von Nutzungsmöglichkeit und von der Optimierung ebenso bestimmt wird wie vom Wissen um ihre Kurzlebigkeit, d.h. dass sie für eine bestimmte Nutzungsdauer konzipiert wurden, schnell zu errichten und ebenso auch zu „entsorgen“. Sie sind Bauingenieurleistungen und nicht Architektur, auch wenn sie mitunter mit Dachaufbauten, Geländern etc. aufgeputzt werden : die Parkhäuser mit ihren Parkdecks, Tankstellen, die Einkaufsmärkte mit ihrer barackenähnlichen Struktur, die verschleiert wird durch Dachaufbauten oder Giebeln rein dekorativer Art ohne gestalterische Notwendigkeit oder Nutzbarkeit. Auch das uns wohlvertraut, da fast tagtäglich betreten und genutzt, dabei ebenso kaum wahrgenommen oder reflektiert wie die gebaute Umwelt der Vergangenheit, in der wir leben. Das aber heißt, die Alltäglichkeit unseres Lebens lässt uns das eine wie das andere übersehen, die Eigenarten wie die Veränderungen, der Alltag trübt unsere Wahrnehmungen und die Fähigkeit dazu. Hier kommen wir auf die Möglichkeiten und Chancen von Wahrnehmungen künstlerischer Art und von deren Verbildlichung zu sprechen – was gleichermaßen auf Sprache wie Bildkunst zutrifft. Es bedarf sozusagen sensibler Entdeckungen, die umgewandelt werden.
Das führt unmittelbar zu den Arbeiten der beiden ausstellenden Künstler hin. Sie trennt zunächst eine Generation voneinander. Beide sind gebürtige Leipziger, beide haben ihr Handwerk als Künstler an der hiesigen Hochschule für Grafik und Buchkunst erworben. Gerald Müller-Simon wurde 1931 geboren und studierte nach einer Lehre als Keramik – Lithograph zwischen 1950 und 1955 u.a. bei Heinz Wagner. Harald Alff ist Jahrgang 1963, lernte und arbeitete als Maschinenschlosser. Studiert hat er von 1989 bis 1994 an der HGB und absolvierte anschließend ein zweijähriges Meisterschülerstudium bei Hildegard Korger und Karl - Georg Hirsch. Das Stipendienprogramm des DAAD ermöglichte ihm in den Jahren 1997 und 1998 einen Aufenthalt am Royal College of Art in London, dem sich 1999 der Abschluss als Master of Art anschloß – zeitgleich mit Christiane Baumgartner; wie auch zeitnah Ute Haring. Allein der Vergleich der aufgezählten Fakten führt zu der Einsicht, dass weder die Hinweise auf den verschiedenen Bildungsgang, Maler hier und Grafiker (einschließlich Schriftgestaltung) dort, noch auf das Lebensalter hinreichen, um die unterschiedlichen bildnerischen Haltungen beider Künstler zu verstehen. Wir erkennen vielmehr zwei Generationen mit ihren sehr verschiedenen Lebenserfahrungen und Ansichten zu Kunst und Leben. Auch und gerade, weil der urbane Bezug in ihren Werken sie scheinbar verwandt erscheinen lässt und weil die von ihnen geschaffenen Bildräume menschenleer sind.
Wenden wir uns zunächst den Arbeiten von Harald Alff zu und erwähnen, dass er um 2005/06 eine entscheidende Wandlung in seinen Arbeiten vollzog: Vorher waren sie eher als abstrakte Erfindungen zu bezeichnen, die Außenstehenden auch deshalb schwer zugänglich waren, weil sie labyrinthisch erdacht, den Feldern imaginärer Brettspiele ähnelten und sozusagen einem privaten Verständnis folgten, so handelt es sich seither um die bildnerische Umformung konkret vorgefundener Situationen von Parkhäusern, Parkdecks oder freistehender Einkaufsmärkte in Gewerbegebieten, auch innerstädtischen, von ihm bewußt nicht im Alltagsgetriebe der Woche, vielmehr in deren sonntäglicher Leere aufgesucht als Kontrast zum tagtäglichen Gewimmel mit dessen Unüberschaubarkeit und zum Bildgegenstand gemacht, wobei er sich digitaler fotografischer Notizen als Material bedient. Als „andocken ans reale Leben... [und] eine Dimension der Wahrnehmung von Heimat,... möglicherweise geschärft durch... längere Abwesenheiten “, charakterisiert der Künstler diese Wandlung und erläutert: „... Parkflächen, über die man sonst mit höchster Konzentration kurvt, erscheinen in ihrer Verlassenheit melancholisch. Die Leere der Parkhäuser hat etwas Meditatives.... Die Wahl dieser Orte hat aber noch andere Gründe als sonntägliche Ruhe. Es ist zunächst die Ästhetik, die diktiert wurde von praktischen und ökonomischen Gegebenheiten. Die Einkaufszentren befinden sich zwar am Ende Herstellungsprozesses der Waren ...aber die Bauten unterscheiden sich nicht mehr so sehr von denen der Produktionsstätten. Effektive Hallen, Logistikzentren. Der grafische Reiz dieser Gebäude entsteht meiner Meinung nach gerade durch ihren Pragmatismus, Fassaden bei denen logistische Erwägungen jegliche Proportion platt machen. Es ist die Diktatur äußerster Funktionalität,...Es ist die Architektur des globalisierten Kapitalismus... Es sind Orte der Sehnsucht, wo das Konsumbegehren auslebt werden kann. Oder auch nicht...leere Supermarktplätze [haben] zum einen ...etwas Medidatives, aber sicher auch etwas Subversives und in Zeiten der Wirtschaftskrise sogar etwas Katastrophales.“
Anfügen will ich hier meinen ausdrücklichen Dank an Harald Alff, dass er ausführlich Fragen beantwortete, die ich ihm elektronisch übermittelte und hoffe, dass er mir es nicht übel nimmt, wenn ich daraus zitiere.
Auch drucktechnisch sind Änderungen zu konstatieren: Heute realisiert er seine Bildvorstellungen im Hochdruck, vordem als Sieb- oder Materialdrucke, wobei letztere die Brücke zu den aktuellen „Holzschnitten“ bilden. Wenn ich dabei den Begriff „Holzschnitt“ in Anführungszeichen setze, so nicht nur aus dem Grund, dass seine Druckformen keine Holzstöcke sind, sondern .......platten, in die er seine Linien schneidet oder eigentlich auch sticht mit der Präzision eines Holz- oder Kupferstechers und darauf achtet, dass die Millimeterbreite jeder Linie eingehalten wird. Vor allem auch deshalb, weil er grundsätzlich jede Maserung o.ä. vermeidet, ja ablehnt, was an die Druckplatten von Kupfer- wie von Holzstichen erinnert. Seine Liniengefüge erinnern in ihrer Strenge und Präzision an technische Zeichnungen und erlauben die Rückerinnerung, dass er ursprünglich Maschinenbauer gewesen ist.
Schließlich unterscheidet sich die von ihm entwickelte Drucktechnik von dem Druck mittels einer Hochdruckpresse. Harald Alff entwickelte eine Spezialvorrichtung zur Fixierung der Druckplatte, die mehrere Druckgänge absolut präzis hinter- und nacheinander ohne jegliche Verschiebung der Druckform erlaubt, denn seine Hochdrucke bestehen aus bis zu fünf Druckgängen unterschiedlicher Farbgebung und es handelt sich obendrein um Handdrucke. Die fertigen Arbeiten bestehen aus einer Folge von bis zu 9 Segmenten nebeneinander gesetzter Teile als eine meterlange Horizontale.
Aber es sind auch im klassischen Verständnis keine grafischen Blätter, die er schafft, kaschiert er doch die Drucke auf Platten, hinterlegt sie mit einem Rahmen und montiert die Segmente auf eine Rahmenkonstruktion, die das Bild quasi frei schwebend vor der Wand erscheinen lässt. Wir stehen hier vor einem Sonderfall, wo Druckgrafik fast changierend sich mit Wandmalerei verbindet.
Ganz aktuell sind Arbeiten, in denen er sich mit urbanen Situationen herkömmlicher Art in gängigen Formaten beschäftigt, konzentriert auf jeweils 1 Motiv, von denen ich bis eben lediglich einen unfertigen Druckstock kannte. Es handelt sich also nicht um die „idiotischen großen segmentierten Horizontalen“ in den Worten des Künstlers, und er erinnert sich der Faszination in frühester Jugend angesichts der vertrauten Motive eines Konrad Knebel, Günter Thiele oder Gerald Müller – Simon und empfindet deren konventionelle Formate und triviale Motive als Herausforderung.
Damit wenden wir uns endlich den Arbeiten von Gerald Müller – Simon zu. Sie sind nicht allein bekannt, vielmehr vertraut. Dennoch soll daran erinnert werden, dass frühen malerischen Versuchen eine lange Phase der Druckgraphik mit Linolschnitten folgte, die konkrete Plätze oder Gebäude Leipzigs zeigten und parallel phantasievolle keramische Plastiken entstanden. Als er sich um 1980 endgültig der Malerei zuwandte, hatte er zugleich die Entscheidung für die von nun an verfolgten Themen getroffen: Stadtlandschaften, Interieurs und Stilleben wurden die Gegenstände seiner Bilder. Und ebenso die Methode der Umformung des in der Realität Vorgefundenen und Gesehenen in Malerei. Dabei haben sich die von ihm gestalteten Motive nur partiell verändert, denn er verwandelt Seheindrücke aus Leipzigs Vorstädten und vom Stadtrand in lichterfüllte Bilder, denen nur selten kleine Handskizzen als Anregung dienen, vielmehr werden die Motive unmittelbar und direkt auf der Malfläche mit grober Skizzierung in Kohlezeichnung unter stark expressiver Untermalung entwickelt, anhand der das künftige Bild kaum zu erahnen ist. Dieses entsteht durch pastosen Auftrag der Ölfarben und bilder eine Art Bildrelief mit schrundiger Struktur ohne geschlossene oder gar glatte Farbflächen. Dadurch wird eine vielfältige Lichtbrechung erreicht, auf der ua. die Wirkung seiner Malerei beruht. Übrigens haben sich seine Motive nur scheinbar kaum verändert. Da der Künstler nach eigenem Geständnis gebunden ist an Seherlebnisse, also an konkret unter realen Bedingungen erfahrene Situationen, wandelte sich die Farbigkeit und Lichte wie Offenheit seiner Malerei in Paralelle zur Veränderung bzw. Revitalisierung der Gebäude und Straßenzüge, denn er formuliert in seinen Malereien Augenerlebnisse neu. Daher sind ihm die Gestaltung der Eindrücke und Empfindungen wichtig, die er unter konkreten Bedingungen erfuhr. Der Künstler bleibt seinen Motiven verbunden, ist sogar von ihnen abhängig, von der Ausstrahlung konkret erfahrener urbaner Räume, den Stimmungen, die sie ihm vermitteln, den Situationen, die er genau kennt - daraus formt er sein “Bild“ dieser Stadträume. Details sind da nicht wichtig und eine “vor Ort“ nachprüfbare Konkretheit nicht notwendig, im Gegenteil: sie würde stören. Wahrhaftig soll allein ihre Gesamterscheinung sein, konkret zwar in Bezug auf ihren Schöpfer, aber eben gerade durch ihre quasi Unkonkretheit nachempfindbar für den Betrachter. Deshalb bleibt seine Malerei unlösbar gebunden an die Konkretheit von Örtlichkeiten, die er erfahren muss, um sie bildlich gestalten zu können. Seine Bildgegenstände bewegen sich in Nachbarschaft oder Parallelität zur uns bekannter oder vertrauter Realität. Die Bilder jedoch sind eine andere, eine neue, allein dem Maler verdankte Realität, eine dem künstlerischen Temperament ihres Schöpfers und seinem Formwollen anverwandelte. Mit dem Pinsel formuliert er Augenerlebnisse um und neu. Er verwirklicht eine Malerei äußerst sensibler Art. Gerald Müller-Simons Bilder sind eine leise vorgetragene Erinnerung daran dass Stille und innere Einkehr Elixiere des Lebens sind. Seine Straßen- und Stadtbilder, seine Interieurs sind am Ende nichts anderes als STILLEBEN in der Bedeutung: zur Ruhe gekommene Geschäftigkeit. Sie verwirklichen eine andere Möglichkeit der Meditation, sie gestalten nicht Orte des Konsumbegehrens oder des Pragmatismus, vielmehr der Einkehr zu sich selbst, des Vertrautseins oder anders gesagt, der Geborgenheit , das ist ihre Botschaft, will man von einer solchen sprechen.
Zur Druckgrafik ist der Künstler erst in den neunziger Jahren zurückgekehrt.
Im Zentrum stehen großformatige Kaltnadelradierungen, also quasi Handzeichnungen, die direkt in das Metall der Druckplatte mit der Radiernadel hineingerissen werden. Ihnen liegen in der Regel große Graphitzeichnungen zugrunde, die ihrerseits die Motive der Gemälde aufnehmen oder fortsetzen und im Ausnahmefall auch vorbereiten. Denn die Motive der Zeichnungen und Radierungen sind identisch mit denen seiner Gemälde. Sie liegen in den Vorstädten des Ostens , Westens, auch des Nordens. Auch die Zeichnungen entstehen grundsätzlich im Atelier, nur teilweise liegen ihnen kleine Skizzen, eher Notizen „vor Ort“ zugrunde. In ihnen, gleich seiner Gemälde, beschäftigt und fasziniert ihn das „Klima“, der Charakter, die Struktur von Gebäuden, Platzen oder Straßen, die Atmosphäre und vor allem das Licht. Sich erinnernd, erschafft sie der Künstler zeichnend und malend neu, aber dennoch nicht weniger wahr.
Anders verhält es sich bei den Sepiablättern des Künstlers. Sie haben eine gänzlich andere Entstehungsgeschichte, entstehen sie doch ausschließlich im Angesicht der Motive. Es sind „Reisefrüchte“, geschaffen aus Lust, „Augenlust“ – Werner Tübke formulierte einst, seine Aquarelle verdankten sich allein Auge und Hand, quasi das Geschaute unmittelbar wiedergebend. Zugleich sind sie Produkt und Ausdruck der Erholung während sommerlicher Ferienreisen, die den Künstler seit Jahren immer wieder nach Südfrankreich führen. Sie sind ganz Selbstzweck und verbinden sich nicht unmittelbar mit dem übrigen Oeuvre von Gerald Müller – Simon. Aber sie stehen unleugbar in der Tradition deutscher romantischer Aquarellkunst, wobei vor allem Carl Blechen zu nennen ist.