Einladungskarte

Anknüpfungspunkte

Als die Teppiche fliegen lernten
Wurzen 2011

Kunst im öffentlichen Raum

Projekt des Bundes Bildender Künstler Leipzig e.V.

Anknüpfungspunkte

Das Projekt ist entstanden in Zusammenarbeit des BBKL mit der Stadt Wurzen.
Zeitraum: 2009 - 2011
Gesamtprojektleitung: Franziska Möbius

Wir danken unseren Partnern und Förderern:
Stadt Wurzen
Kulturraum Leipziger Raum

Beteiligte Künstler

Heinke Binder
Frank Brinkmann
Philipp Fritzsche
Franziska Möbius
Christiane Werner

Intro

Teppiche haben eine lange Tradition und bergen vieleunterschiedliche Betrachtungsweisen und Assoziationen.Im Orient, dem Ursprungsland der Teppiche,finden sie noch heute eine vielseitige Verwendung. Siewerden dort zum Bekleiden von Wänden, zum Bedeckenvon Fußböden, ja als alltägliches Möbelstückgenutzt und tragen eine religiöse und magische Bedeutung.Ihre Muster gehen über die bloße Dekorationhinaus. Den Motiven wird eine ursprüngliche Symboldeutungzuerkannt.
In Europa hingegen werden Teppiche fast ausschließlichzum Bedecken von Fußböden benutzt. Die Teppichmusterverfolgen hier vorwiegend einen dekorativenZweck. Dennoch zeigen Teppiche auch hierzulande einegewisse Traditionsbindung, sie verkörpern Behausung,Wärme und Schönheit.
Ein Teppich will aber nicht nur gesehen, er will berührtwerden. Er hat haptische Qualitäten mit einer spezifischenOberfläche. Die subtile Materialität kannertastet werden (auch mit den Füßen), um das Darunterliegendeerkennen zu können.

Hintergrund

Die ehemalige Wurzener Teppichfabrik mit ihrenGlanzzeiten in den 20er und 30er Jahren des vorigenJahrhunderts sollten die Anknüpfungspunkte für diekünstlerischen Installationen sein. Die Produktion dereuropaweit sehr erfolgreichen Wurzener Teppichewurde 1996 eingestellt - doch das Können der einstdort arbeitenden Menschen ist in Wurzen nochvorhanden.
Hunderte von Musterbüchern und -zeichnungen sindaus der gesamten Produktionszeit vorhanden, diezum Teil Anregungen für die Installationen gaben. FürWurzen ist das verwaiste Produktionsgebäude einDenkmal abgeschnittener Traditionen, an die diesesKunstprojekt langfristig erinnern möchte.
Am Fuße des Dombergs liegt eine kleine Grünfläche,die mit Holunder, Birnbäumen und einem Ahornbestanden ist. Dieser kleine Flecken ist für den Platzwichtig – auch dass er als Garten erhalten bleibt.Ich würde gerne diese Fläche mit einer Mauer fassen,auf deren Krone man sich auch setzen kann. Abernicht eine schnurgerade Klinkermauer, sondern einegeschwungene mit einem eingewirkten Muster wieein Perlenarmband. Mauerverbände lassen miteinfachen Mitteln ähnliche Muster zu wie geknüpfteTeppiche und aufgefädelte Perlen.
Über diesen Umweg des Mauermusters möchte icheine kleine Erinnerung an Rosa Marie Bötticherschaffen. Ringelnatz` Mutter beschäftigte sich mit derPerlenstickerei. Ein wenig mit Strauchrosen undBlumenzwiebeln nachgepflanzt und die Bäume etwasbeschnitten, könnte dieser Ort zu ihrem kleinenGarten werden.

Kleiner Garten für Rosa Marie
Heinke Binder

Am Fuße des Dombergs liegt eine kleine Grünfläche,die mit Holunder, Birnbäumen und einem Ahornbestanden ist. Dieser kleine Flecken ist für den Platzwichtig – auch dass er als Garten erhalten bleibt.Ich würde gerne diese Fläche mit einer Mauer fassen,auf deren Krone man sich auch setzen kann. Abernicht eine schnurgerade Klinkermauer, sondern einegeschwungene mit einem eingewirkten Muster wieein Perlenarmband. Mauerverbände lassen miteinfachen Mitteln ähnliche Muster zu wie geknüpfteTeppiche und aufgefädelte Perlen.
Über diesen Umweg des Mauermusters möchte icheine kleine Erinnerung an Rosa Marie Bötticherschaffen. Ringelnatz` Mutter beschäftigte sich mit derPerlenstickerei. Ein wenig mit Strauchrosen undBlumenzwiebeln nachgepflanzt und die Bäume etwasbeschnitten, könnte dieser Ort zu ihrem kleinenGarten werden.

Belesen – Ausnähen worauf wir stehen
Frank Brinkmann

Diese sozialisierte Kunst in der Stadt Wurzen ist eingemeinsames Ergebnis von 140 Menschen. Schülerund Erwachsene verschiedener Altersgruppen wareninvolviert. Als Akteur und Rezipient in einer Personwird der Arbeitsprozess zum Bestandteil der persönlichenInterpretation und Einflussnahme auf dasöffentliche Resultat. Multiplikation in den Familien,Schulen und Vereinen verankert diese Auseinandersetzungmit der Design- und Industriegeschichte derStadt in einem Querschnitt der Bürgerschaft. DieVielzahl der Standorte verschiedener Mosaike läßteine zufällige, unaufdringlich Begegnung imStadtgebiet zu.

Teppichblüte
Philipp Fritzsche

Eine der vielen "Blütezeiten" Wurzens war die Zeitder Teppichindustrie. Die Arbeit "Teppichblüte" sollein Zeichen/ ein Symbol dieser vergangenen Traditionin die Stadt tragen. Die Erinnerungen sollen mitdieser auch heiteren Arbeit aber keinen "Staub”anlegen, sondern in "Bewegung" bleiben. Es ist keinGegenstand, der unmittelbar aus der Teppichfertigungstammt, sondern bewusst ein Objekt, das fürJeden eine Verknüpfung zum Teppich bietet. DasMaterial, Edelstahl, steht gegen Vergänglichkeit undfür Erhalt und Bewahrung. Es ist ein gebogenes Rohr,das aus seiner Standsäule heraus nach drei schwungvollenBögen (einen Dreipass bildend) in den Schaftzurückkehrt. Größe: 3,80 m x 1,20 m x 0,30 m

Der fliegende Teppich
Franziska Möbius

In einer Freifläche in der Färbergasse hängt der Zauberteppich, der nur von einem Betrachtungspunktaus als Ganzes zu sehen ist. Von allen andern Blickwinkelnaus sind es nur im Raum schwebende Bruchstücke,wie ein geheimnisvolles Puzzle. Ein verwirrendesSpiel mit Anknüpfungspunkten. Die Installationbezieht sich auf die konkrete Historie der WurzenerTeppichfabrik und spielt mit Glanzzeiten, Vergänglichkeitund Illusionen - wenn sich die Versatzstückeder Erinnerung für einen Augenblick vereinen.Das Muster ist dem Teppicharchiv entnommen undwar ein typisches Muster aus der Produktionsphaseder Teppichfabrik.
Farbdruck auf Polymargewebe

Anknüpfungspunkte
Christiane Werner

Harmonischen Kreisflächen verweisen auf das„Unvollkommene“ der Orte und gestalten als großefarbige Punkte Mauern und Orte, die an Vergangeneserinnern. Die „ANKNÜPFUNGSPUNKTE“ wurden inFresco-Technik mit Pigmenten auf frischen Kalkputzgemalt. Sie geben mit einem Blick auf verwaisteNischen und Lücken Platz für neue Ideen - auchsymbolisch als phantasievolle Öffnungen im Mauerwerk- die zukünftige Pläne frei legen.
Bewahren, Erinnern und Erneuern spielen bedachtsamin diesem Sinne mit Alt und Neu, mit Innen und Außen. Die Mauern bleiben bewusst in ihrerursprünglichen Beschaffenheit.
www.karandash.de

Anknüpfungspunkte 2010