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Drei französische Dimensionen

Skulpturensymposium Taucha 2008

August 2008

Gefördert durch die Stadt Taucha und Kulturraum 05

Drei französische Dimensionen

Drei französische Dimensionen

aus der Eröffnungsrede von Barbara Stein, Bauamtsleiterin der Stadt Taucha, am 30.08.2008

Das Thema an sich ist einfach und genial zugleich. Aus einem Augenblick - konkret aus einem Blick auf die Stadtsilhouette von Le Puy, erwuchs die Idee, dass das diesjährige Bildhauersymposium etwas Besonderes werden sollte – und ich bin überzeugt im Namen aller Beteiligten zu sprechen, das ist es auch geworden.
Ob es nun an der DREI liegt, für manche eine magische, für andere eine heilige Zahl und für einige gar Lebensmittelpunkt – begegnet sie uns doch im Alltag in verschiedenen Assoziationen wie: drei Könige, drei Wünsche, aller guten Dinge sind drei, dreimal auf Holz klopfen. Drei Dimensionen stehen rein geometrisch gesehen für Länge, Breite, Höhe, aber auch für Ausmaß, Größe, Sphäre – oder nach der besonderen französischen Weise: Lebensart, Leidenschaft, Lässigkeit – wofür genau, das gilt es noch herauszufinden.
Sicher ist, dass sich sechs Künstler aus Leipzig und Umgebung sowie aus der Nähe von Köln sich dieser Aufgabe gestellt haben.
Jeder hat das Thema für sich entdeckt, hat für seine Person und seine Arbeit den Bogen von Le Puy nach Taucha gespannt und hat so seine eigene, unverwechselbare Interpretation gefunden. Es gibt viel Verbindendes aber auch viel Unterschiedliches beider Städte.
Historie, Tradition, Religion und Kunst bieten vielfältige Anhaltspunkte, sich mit den verschiedenen Dimensionen auseinander zu setzen.
Einige Bilder vermitteln den Charme der französischen Partnerregion, dem sich die meisten Künstler nicht entziehen konnten.
Entstanden sind sechs Kunstobjekte an fünf verschiedenen Standorten, die unsere Stadt ab heute wesentlich bereichern und die als Kunst im öffentlichen Raum einen eigenständigen Beitrag zur neuen Stadtidentität erbringen, was für Taucha, eine Stadt nunmehr im Großkreis Torgau-Delitzsch-Oschatz von besonderer Bedeutung ist.
Der Anspruch, dass es kein gewöhnliches, klassisches Symposium werden sollte, bei dem sechs Künstlerinnen und Künstler sechs Skulpturen herstellen, sondern dass es ein Spiel mit Formen, Farben, Materialien und Techniken in Verbindung mit der Natur wird, ist mehr als erfüllt. Gemäß der Ausschreibung sollten die Dimensionen ausgelotet, gebrochen oder ironisiert werden – genau das ist erfolgt. [...]
Lassen Sie mich dennoch die Objekte kurz vorstellen.
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Franziska Möbius nennt ihre Installation EWIG DÜRSTEND. Es sind überdimensionierte blaue Blütenkelche, die sich im Wind wiegen, bei Regen mit Wasser füllen und sich verneigend wieder entleeren. Es ist ihre Art, der Suche nach Spiritualität in Kunst und Religion eine Form zu geben. Durch die Aufstellung im Kleinen Schöppenteich wird die gewollte Symbiose des Kunstwerkes mit der Natur besonders gut erlebbar.

Judith Ostermeyer hat den Schlosshof als Bindeglied zwischen den Städten und zwischen den Zeiten gewählt. Mit ihrer FRAU MIT KIND nimmt sie Bezug auf die schwarze Madonna in einer der Kapellen von Le Puy. Unter Verwendung historischer Bauteile insbesondere einer 1842 gegossenen Glocke aus dem Museumsfundus entstand eine Holzplastik mit zusätzlicher Lasurmalerei, die einerseits auf das neue Domizil des Museums mit Fundus verweist und andererseits für jeden Besucher individuelle Betrachtungsebenen und Stimmungen erschließt.

Klaus Dauven widmet sich auf sehr natürliche Weise dem Thema. Er hat aus Zeichnungen von den für de Region von Le Puy, der Avergne, typischen Pflanzen einen kleinen virtuellen Garten in der Badergasse (archäologisches Schaufenster) entstehen lassen. Seine Arbeitsmittel sind Wasser und Druck, mit denen er Flächen reinigt und aus denen seine „Kunstblumen“ erwachsen. Eines aus meiner persönlichen Sicht sehr überzeugendes aber leider auch vergängliches Kunstwerk, da die Umwelt, die Natur als zweiter Zeichner die Bilder stetig verändert und neue, weitere Dimensionen formt.

Dirk Richter will mit seiner flächigen Metallskulptur hoch hinaus. Am Giebel des Hauses II des Gymnasiums wurde ein Quadrat installiert, welches eine Art Labyrinth in sich birgt und welches sich nach außen hin linear öffnet. Er arbeitet vorwiegend mit Stahl in Verbindung mit Farbe, welche die Metamorphose unterschiedlicher Formen in Verbindung mit Zuständen und Stimmungen aus seiner Sicht am besten assoziiert.

Zwei Objekte fehlen noch in der Kurzbeschreibung – sie befinden sich unmittelbar hier: DIE Bank von Philipp Fritzsche und LA LENTILLE, eine Installation von Jürgen Strege.

Während eine Bank im Laufe der Geschichte sehr trennende Funktionen erfüllte, soll sie hier und heute ein Ort für neue Gemeinsamkeiten mit einem besonderen Wörterklang Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit sein.

Die Kunststoffbahnen dieser sehr transparenten Skulptur auf dem Gewölbekeller erinnern an die für die Partnerregion typische Linsenpflanze, einem Nahrungsmittel, welches die Idee der Kommunikation und des Austauschs von essentiellen Dingen des Lebens über Ländergrenzen und Kulturen hinaus symbolisiert.(…)

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